SPD-Fraktion offen für Gespräche zu Alsterschiffen

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Zur Anhörung im Verkehrsausschuss am 1. März 2017 erschienen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Verkehrsbehörde. Auch Referenten der HOCHBAHN und des HVV standen den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort.

Die Anhörung im Verkehrsausschuss hat gezeigt, dass die Wiedereinführung des Linienbetriebs auf positive Resonanz unter den Hamburgerinnen und Hamburger stößt. Auch wurde deutlich, dass sich der Betrieb in der vorgeschlagenen Verbindung vom Anlieger Mühlenkamp bis Jungfernstieg weder finanziell noch verkehrstechnisch begründen lässt. Die am stärksten frequentierten Abschnitte der MetroBus-Linie M6 zwischen Gurlittstraße und Hauptbahnhof können von Alsterschiffen nicht angefahren werden. An den M6-Haltestellen Rathaus und Petrikirche, die nahe dem Jungfernstieg liegen, steigen in der Zeit gesamten Hauptverkehrszeit von 6-9 Uhr morgens nur 180 Fahrgäste aus. Zum Vergleich: Zwischen Gurlittstraße und Hauptbahnhof werden in derselben Zeit über 2.400 Fahrgäste befördert.

Die Beförderungszeit auf der vorgeschlagenen Alsterlinie würde 24 Minuten betragen; der Bus benötigt von Mühlenkamp bis Hauptbahnhof nur 14 Minuten. Während im Zeitraum von 20 Minuten sechs Busse mit Platz für 100-110 Personen auf der Strecke verkehren, könnte in derselben Zeit nur ein Schiff mit nur Raum für 70 Personen die Linie versorgen. Dennoch – so wurde erläutert – könne kein Bus auf der Linie eingespart werden.

Nach Ansicht der SPD-Fraktion ist auch für ein Pilotprojekt an Menschen mit Behinderungen zu denken. Mit heutigem Datum sind nur die Anleger Jungfernstieg, Fährdamm und Uhlenhorster Fährhaus barrierefrei. Laut einer Bürgerschaftsanfrage (DS21/6572) trifft dies nicht einmal für die Hälfte der 18 ATG-Schiffe zu. Große Teile der Bevölkerung wären folglich von der Nutzung ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu ist die gesamte MetroBus-Linie M6 barrierefrei.

Jörg W. Lewin, verkehrspolitischer Sprecher: „Debatten über das Ob und Wie von Alsterschiffen werden schon seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in Hamburg geführt. Eingestellt wurde der Linienbetrieb 1983 wegen Unwirtschaftlichkeit. Vor dem Hintergrund der Schuldenbremse haben wir die Aufgabe Kosten und Nutzen für die Hamburger Bürgerinnen und Bürger abzuwägen. Die im Verkehrsausschuss vorgestellte Linienführung konnte uns nicht überzeugen. Der Mehrwert für den Hamburger ÖPNV konnte nicht fundamentiert werden. Völlig außer Acht gelassen wurde die Barrierefreiheit. Anspruch der SPD ist es die Barrierefreiheit auszubauen. Das funktioniert schon nicht bei den Anlegestellen, wo man per Treppe von der Straße zum Anleger runter gehen muss. Daher macht es für die SPD auch gar keinen Sinn jetzt einen auf die Morgenstunden beschränkten Pilotbetrieb einzurichten.“

Alexander Kleinow, parlamentarischer Geschäftsführer: „Die Idee der Wiedereinführung eines Fährbetriebs auf der Alster ist unbestritten eine charmante. Auch der ÖPNV muss jedoch im Rahmen der Erfüllung der Daseinsvorsorge seine Dienstleitungen kosteneffizient anbieten. Wir verschließen uns keinen Ideen zur Wiedereinführung des Schifffahrtsbetriebs und werden die Gespräche mit Verantwortlichen suchen.“ Die Expertenanhörung im Bezirk habe jedoch klar verdeutlicht, dass die Vorschläge der CDU ein Schnellschuss seien. Viel interessanter als eine parallel zur M6 verlaufende Linie sei die Alsterquerung von Ost nach West. „Der Verein für Alsterdampfschifffahrt hat gezeigt, dass durchaus Potential bei privatem Engagement und Schiffslinien auf der Alster vorhanden ist. Ob und wie letztendlich wieder Schiffe auf der Alster fahren, hängt an Senator Kerstan in der Umweltbehörde. Er muss entscheiden, ob es zusätzlichen Fahrgastbetrieb auf der Alster geben darf oder nicht“.